Sekundengenaue Überschuss-Null-Einspeisung: Vom Balkonkraftwerk zur intelligenten PV-Steuerung mit Home Assistant (Projektstart)
Wer mich schon länger verfolgt, weiß: Ich bin ein riesiger Fan von 100% lokalen Smart-Home-Lösungen. Keine Cloud. Keine Hersteller-Abhängigkeit. Keine monatlichen Gebühren für Grundfunktionen. Einfach Hardware, die sauber lokal läuft und genau das macht, was ich will.
Und genau deshalb beschäftige ich mich seit über zwei Jahren intensiv mit dem Thema Null-Einspeisung, Balkonkraftwerken, Akkuspeichern und intelligenter PV-Steuerung mit Home Assistant.
Was ursprünglich als kleines DIY-Projekt begonnen hat, entwickelt sich mittlerweile zu einem kompletten lokalen Überschussmanager für Home Assistant – inklusive Akku-Steuerung, Klimaanlagen-Management und später sogar E-Auto-Ladung.
In diesem Artikel zeige ich dir:
- warum klassische PV-Lösungen oft ineffizient arbeiten,
- warum ich keine Cloud-Lösungen mehr nutzen möchte,
- wie lokale Überschusssteuerung funktioniert,
- welche technischen Herausforderungen dahinter stecken,
- und warum ich aktuell an meinem eigenen Home-Assistant-Add-on arbeite.
Hier die Warteliste für das Home Assistant Add-on „Sales“:
Sneak Preview der Beta-Version:


Das eigentliche Problem moderner PV-Anlagen
Viele starten mit einem Balkonkraftwerk. Vielleicht kommt später ein Akku dazu. Dann irgendwann eine größere PV-Anlage auf dem Dach.

Und trotzdem passiert etwas, das viele überrascht:
Du kaufst nachts oder sogar tagsüber weiterhin Strom aus dem Netz.
Warum?
Weil viele Systeme zwar Energie erzeugen können, aber den Stromfluss nicht wirklich intelligent steuern.
Das typische Szenario sieht so aus:
- Die Sonne scheint
- Die PV produziert Überschuss
- Der Akku ist voll
- Gleichzeitig könnte die Klimaanlage laufen oder das Auto laden
- Stattdessen wird Strom billig ins öffentliche Netz eingespeist
Und genau hier beginnt das eigentliche Problem.
Denn wirtschaftlich sinnvoll wäre:
Den erzeugten Strom möglichst selbst zu nutzen.
Genau dafür braucht man ein intelligentes Überschussmanagement.
Was Null-Einspeisung eigentlich bedeutet
Die Idee hinter der Null-Einspeisung ist relativ simpel:
Die PV-Anlage produziert genau so viel Strom, wie aktuell im Haus benötigt wird.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Das Ziel:
Keine unnötige Einspeisung ins öffentliche Netz.
Das funktioniert typischerweise so:
PV → Wechselrichter → Hausverbrauch
↓
Akku
Der Akku übernimmt dabei eine extrem wichtige Rolle.
Wenn gerade wenig Sonne vorhanden ist oder nachts Strom benötigt wird, entlädt sich der Akku kontrolliert ins Hausnetz.
Aber genau diese Regelung ist technisch deutlich schwieriger, als viele denken.
Denn Verbrauchswerte ändern sich ständig:
- Kühlschrank springt an
- Klimaanlage startet
- Herd läuft
- Waschmaschine zieht plötzlich Leistung
Die Regelung muss deshalb permanent reagieren.
Und zwar idealerweise sekundengenau.
Warum ich keine Cloud-Lösung mehr wollte
Das war einer der Hauptgründe, warum ich angefangen habe, meine eigene Lösung zu entwickeln.
Viele Hersteller bieten heute:
- Apps,
- Cloud-Dashboards,
- KI-Steuerungen,
- Smart-Energy-Systeme
…aber fast immer mit einem großen Nachteil:
Die Systeme funktionieren nur über das Internet.
Und genau das wollte ich nicht.
Die Probleme vieler Cloud-Lösungen
1. Keine echte Kontrolle
Du weißt oft gar nicht:
- wie geregelt wird,
- wann geladen wird,
- oder warum gerade eingespeist wird.
2. Hersteller-Abhängigkeit
Wechselt der Hersteller seine API oder stellt den Dienst ein:
→ Pech gehabt.
3. Internet-Zwang
Das Smart Home sollte lokal funktionieren.
Nicht abhängig von irgendeinem Server.
4. Datenschutz
Energieprofile verraten extrem viel:
- Wann bist du zuhause?
- Wann schläfst du?
- Wann kochst du?
- Wann lädst du dein Auto?
Das muss nicht permanent in die Cloud übertragen werden.
Warum Home Assistant dafür perfekt ist
Genau hier kommt für mich Home Assistant ins Spiel. Home Assistant
Denn Home Assistant bringt bereits alles mit:
- lokale Integrationen,
- Entitäten,
- Services,
- Automationen,
- Dashboards,
- Hardware-Unterstützung.
Das bedeutet:
Wenn ein Akku oder Wechselrichter bereits in Home Assistant eingebunden ist, kann ich ihn direkt steuern.
Und genau das ist die Grundlage meines Projekts geworden.
Die Idee hinter meinem Überschussmanager „Soalex“
Mein Ziel war von Anfang an klar:
Ich wollte kein weiteres Cloud-Produkt bauen.
Ich wollte:
- eine lokale Lösung,
- sekundengenaue Regelung,
- mehrere Akkus unterstützen,
- verschiedene Hersteller kombinieren,
- und später sogar Verbraucher intelligent zuschalten.
Also entstand die Idee zu „Soalex“. (Den Name habe ich ein paar mal geändert, damit ich kein Markenkonflikt bekomme)
Was der Überschussmanager später können soll
Phase 1
- Null-Einspeisung
- Akku-Steuerung
- Wechselrichter-Steuerung
Phase 2
- Mehrere Akkus gleichzeitig verwalten
- Akkupools bilden
- Prioritäten setzen
Phase 3
- Klimaanlagen automatisch zuschalten
- Überschuss verheizen oder kühlen
- Verbraucher dynamisch aktivieren
Phase 4
- E-Auto intelligent laden
- PV-Überschuss priorisieren
- Komplettes lokales Energiemanagement
Warum bestehende Lösungen oft nicht ausreichen
Es gibt bereits viele gute Systeme am Markt.
Aber fast alle haben Einschränkungen.
Die einen können:
- Wallboxen gut steuern,
- Forecasting berechnen,
- Strompreise analysieren.
Andere können:
- Akkus steuern,
- Überschuss erkennen,
- PV-Daten visualisieren.
Aber was ich kaum gefunden habe:
Eine Lösung, die:
- komplett lokal arbeitet,
- herstellerübergreifend funktioniert,
- mehrere Akkus verwaltet,
- und sekundengenau regelt.
Genau das wollte ich ändern.
Die technische Herausforderung hinter Null-Einspeisung
Jetzt wird’s spannend.
Denn viele denken:
„Dann schickt man halt einfach alle paar Sekunden einen neuen Leistungswert.“
Leider ist es nicht ganz so einfach.
Das Problem mit Schreibzyklen
Viele Wechselrichter und Systeme besitzen interne Speicher.
Wenn man dort zu oft Werte schreibt, kann der Speicher irgendwann verschleißen.
Gerade bei:
- OpenDTU,
- Hoymiles,
- älteren Wechselrichtern,
- DIY-Systemen
…muss man extrem vorsichtig sein.
Deshalb muss die Regelung intelligent arbeiten.
Nicht zu aggressiv.
Aber trotzdem schnell genug.
Warum ich mich für einen PI-Regler entschieden habe
Anfangs habe ich einfache Schwellwerte getestet.
Also klassisches:
- mehr Verbrauch → Leistung erhöhen
- weniger Verbrauch → Leistung reduzieren
Das Problem:
Die Regelung wurde instabil.
Deshalb habe ich mich später für einen PI-Regler entschieden.
Vereinfacht erklärt
Ein PI-Regler berücksichtigt:
- den aktuellen Fehler,
- und zusätzlich die vergangene Entwicklung.
Dadurch reagiert das System:
- deutlich stabiler,
- weicher,
- und genauer.
Gerade bei stark schwankenden Verbrauchern ist das extrem wichtig.
Addon oder Integration? Warum ich mich für ein Home-Assistant-Addon entschieden habe
Das war tatsächlich eine größere Entscheidung.
In Home Assistant gibt es grundsätzlich zwei Wege:
- Integrationen
- Addons
Warum kein klassisches Integration-Setup?
Integrationen sind super für:
- Sensoren,
- einfache Geräte,
- kleine Logik.
Aber:
Sobald man komplexe Oberflächen oder Konfigurationen bauen will, wird es schwierig.
Vorteile eines Addons
Mit einem Addon kann ich:
- eigene Benutzeroberflächen bauen,
- Dashboards erstellen,
- komplexe Onboarding-Prozesse umsetzen,
- bessere Visualisierung integrieren,
- flexibler entwickeln.
Und genau deshalb wurde aus dem Projekt am Ende ein echtes Home-Assistant-Addon.
Welche Hardware aktuell getestet wird
Einer der wichtigsten Punkte:
Herstellerübergreifende Unterstützung.
Aktuell teste ich unter anderem:
- Hoymiles
- Victron
- Anker
- Solarcon
- DIY-Trucky-Akkus
- AC-Speicher
- klassische Wechselrichter
- Balkonkraftwerke
Und genau diese Vielfalt macht das Projekt so spannend.
Denn jedes System verhält sich anders.
Die Entwicklung war deutlich härter als gedacht
Ich dachte am Anfang ehrlich gesagt:
„Das baue ich in ein paar Tagen.“
Spoiler:
Nein.
Mittlerweile stecken Wochen Arbeit drin.
Und ich merke immer mehr:
Eine stabile Regelung ist extrem komplex.
Gerade wenn man:
- sauber testen,
- Unit Tests schreiben,
- Fehler abfangen,
- verschiedene Hardware unterstützen,
- und langfristig stabil entwickeln möchte.
Warum lokale Energieautomatisierung die Zukunft ist
Ich glaube wirklich:
Die Zukunft liegt in lokalen Energiesystemen.
Nicht in:
- Cloud-Zwang,
- abgeschlossenen Herstellerlösungen,
- oder monatlichen Pflicht-Abos.
Sondern in:
- offenen Schnittstellen,
- Home Assistant,
- lokaler Steuerung,
- Community-getriebener Entwicklung.
Denn genau dort entsteht Innovation.
Die große Frage: Wie finanziert man so ein Projekt langfristig?
Das war tatsächlich ein Thema, über das ich lange nachgedacht habe.
Denn:
Softwareentwicklung kostet Zeit.
Und irgendwann auch externe Entwickler.
Deshalb habe ich verschiedene Modelle überlegt:
- Einmalkauf
- Jahresupdates
- klassische Abos
Mein aktueller Favorit:
- einmal kaufen,
- danach optionale Jahresupdates.
So bleibt die Einstiegshürde niedrig,
aber gleichzeitig kann die Entwicklung langfristig weitergehen.
Ich bin auf dein Feedback gespannt welches Modell du bevorzugen würdest.
Fazit: Genau dafür liebe ich Home Assistant
Für mich zeigt dieses Projekt perfekt, warum ich Home Assistant so spannend finde. Home Assistant
Ich kann:
- Hersteller kombinieren,
- komplett lokal arbeiten,
- eigene Logik bauen,
- und mein Energiesystem exakt so steuern, wie ich es möchte.
Und genau das ist für mich die Zukunft moderner Smart Homes.
Nicht nur „smart“.
Sondern wirklich intelligent.
Wenn du selbst:
- ein Balkonkraftwerk,
- eine PV-Anlage,
- einen Akku,
- oder Home Assistant nutzt,
…dann wird das Thema Überschussmanagement in den nächsten Jahren extrem spannend werden.
Ich bin jedenfalls unglaublich gespannt, wohin sich das Ganze entwickelt.
Und ehrlich:
Ich freue mich riesig darauf, das gemeinsam mit der Community weiterzubauen.
Hier gehts zur Warteliste:
https://alkly.de/warteliste-uberschusssteuerung/

Alex Kly (Alkly)
Ich glaube an ein Smart Home, das dir gehört – nicht der Cloud. Ich zeige dir, wie du Technik nutzt, um Energie zu sparen, Solar optimal einzubinden und dein Zuhause nachhaltig zu steuern.
Ein Zuhause, das mitdenkt, dich entlastet – und dich jeden Tag ein Stück freier macht.
