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Baue deine eigene Überwachungskamera mit dem Raspberry Pi – komplett lokal, ohne Cloud

Ich wollte schon lange eine Überwachungskamera, die 100 % lokal läuft, keine Cloud braucht und sich perfekt in Home Assistant integrieren lässt. Als bei uns im Dorf einige Gartenhütten abgebrannt sind, war der Zeitpunkt gekommen: Ich baue mir meine Kamera einfach selbst – mit einem Raspberry Pi, einer HQ-Kamera, 3D-gedrucktem Gehäuse und ESPHome-Steuerung. In diesem Blogartikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie ich dabei vorgegangen bin – inklusive aller Stolpersteine und Tipps, wie du es besser machst.


Warum DIY? Was eine eigene Kamera bringen kann

  • Keine App-Pflicht, keine Cloud, kein Tracking
  • Volle Kontrolle über Hardware und Software
  • Individuell anpassbar (Beleuchtung, Automationen, KI-Erkennung)
  • Perfekte Integration in Home Assistant
  • Lernfaktor: Du verstehst wirklich, wie alles funktioniert

Klar, das Ganze ist aufwendiger als eine Plug-and-play-Kamera. Aber wenn du etwas Technikbegeisterung mitbringst, ist das Projekt absolut machbar – und richtig spannend!


Die Hardware: Das brauchst du für deine DIY-Kamera

Hier die wichtigsten Komponenten, die ich verwendet habe:

KomponenteBeschreibung
Raspberry Pi 5Hauptrechner, versorgt Kamera & Software
HQ Kamera ModulRaspberry Pi High Quality Kamera
6mm Linse (C-Mount)Austauschbare Linse mit gutem Sichtfeld
12V NetzteilVersorgt das gesamte System (über Wandler)
5V Buck ConverterWandelt 12V auf 5V für den Pi um
MicroSD-Karte (64 GB)Möglichst schnell, besser „High Endurance“
3D-Druck GehäuseSelbst entworfen für Pi + Kamera + Lüfter
Kühlung (Lüfter + Heatsink)Notwendig bei Dauerbetrieb
ESP8266 mit RelaisZur Steuerung von Licht/IR-Modulen
IR-LED Modul (optional)Für Nachtsicht, später mit ESP steuerbar
UV-Filterglas (Fotozubehör)Für die Frontabdeckung (wetterfest)

Schritt 1: Betriebssystem auf dem Pi installieren

Zuerst musst du Raspberry Pi OS Lite auf eine SD-Karte schreiben. Ich habe dafür den offiziellen Raspberry Pi Imager verwendet.

  1. Imager starten → Raspberry Pi OS Lite (64-bit) auswählen
  2. WLAN-Daten, SSH und Hostnamen konfigurieren
    → z. B. hostname: raspicam, user: pi
  3. SD-Karte einlegen und flashen

Nach dem ersten Boot kannst du dich direkt per SSH verbinden:

Schritt 2: Kamera anschließen und aktivieren

Jetzt wird die HQ-Kamera verbunden:

  • Flachbandkabel in Kamera und Cam Displayport 0 auf dem Pi einstecken
  • Auf richtige Polung achten (Metallkontakte nach vorne)
  • Die C-Mount Linse auf Kameramodul schrauben

Kamera im Linux Terminal aktivieren:

Raspberry Pi OS vorbereiten


sudo apt update && sudo apt full-upgrade -y        # System frisch halten
sudo raspi-config nonint do_camera 0               # Kamera­overlay aktivieren
sudo reboot

Warum: Die Pi-5-Kamerakette (PiSP-ISP + libcamera) braucht das Device-Tree-Overlay.

Richtige rpicam-Apps + FFmpeg installieren

Lite-Build entfernen, Vollversion holen – nur sie enthält libav:


sudo apt purge -y rpicam-apps-lite
sudo apt install -y rpicam-apps ffmpeg

Schnelltest:


rpicam-hello -t 2000        # muss 2-s-Bild aufnehmen, sonst Verkabelung prüfen

Schritt 3: Docker installieren

Damit wir später Frigate (für die Objekterkennung und den Stream) verwenden können, brauchst du Docker:


curl -sSL <https://get.docker.com> | sh
sudo usermod -aG docker $USER   

sudo reboot

Dann abmelden und wieder anmelden oder reboot:


docker pull bluenviron/mediamtx:latest

docker run -d --name mediamtx --restart unless-stopped \\
  -p 1935:1935 -p 8554:8554 -p 8888:8888 -p 8889:8889 \\
  bluenviron/mediamtx

Jetzt brauchen wir noch einen Systemdienst, dazu

einmal das ausführen


sudo usermod -aG video admin
sudo usermod -aG video,docker admin 
sudo reboot 

sudo nano /etc/systemd/system/hqcam.service


[Unit]
Description=HQ Camera → MediaMTX (RTMP)
After=network-online.target docker.service
Wants=network-online.target
ExecStartPre=/bin/bash -c 'until nc -z 127.0.0.1 1935; do sleep 2; done'

[Service]
Type=simple
User=admin
# Bitte hier deinen Nutzer anpassen. Ich habe beim Aufspielen des Images admin im Pi Installer eingetragen. 
Environment=LIBCAMERA_LOG_LEVELS=*:0        
# logge nur Fehler
ExecStart=/usr/bin/rpicam-vid -t 0 -n \
  --width 1920 --height 1080 --framerate 30 \
  --codec libav --libav-format flv \
  --libav-video-codec libx264 --low-latency \
  -b 4000000 \
  -o rtmp://127.0.0.1:1935/hqcam
Restart=always
RestartSec=5

[Install]
WantedBy=multi-user.target




Speichern jetzt mit STRG X und dann bestätigen

Dann nochmal Neustarten bzw den Dienst laden

sudo systemctl daemon-reload
sudo systemctl enable --now hqcam.service

Kontrolle:

journalctl -u hqcam.service -f

→ sollte „**Output #0, flv, to ‚rtmp://…’**“ zeigen.

Schritt 4: Frigate installieren und konfigurieren

Frigate ist eine lokale Open-Source-Lösung zur Objekterkennung via Kamera.

Das ist Inhalt für ein neues Video, wenns dich interessiert, schreibt in die Kommentare 🙂

Schritt 5: Kamera in Home Assistant integrieren

In Home Assistant kannst du die Kamera einfach über eine Generic Camera Integration einbinden:

Dann einfach deine IP nutzen z.b.

rtsp://192.168.1.113:8554/hqcam

Schritt 6: ESPHome für Licht- und IR-Steuerung

Zur Steuerung von Scheinwerfern oder IR-LEDs habe ich einen ESP8266 mit zwei Relais verwendet.

👉 Wenn du nicht nur dieses eine Projekt nachbauen, sondern ESPHome von Grund auf verstehen willst, dann ist mein
ESPHome Meisterkurs – Lokale Hardware-Schmiede spannend für dich.

Dort zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du eigene, stabile ESPHome-Geräte baust – von der Board-Auswahl über YAML bis zum fertigen Sensor im Home Assistant.

Hier findest du alle Infos

Schritt 7: Gehäuse designen und drucken

Ein normales Kameragehäuse hat mir optisch nicht gefallen. Also habe ich im CAD (Fusion 360) ein eigenes Gehäuse entworfen:

  • Platz für Raspberry Pi + HQ Kamera
  • Schraublöcher für Wandmontage
  • UV-Filter für die Front (Wasser-/Staubschutz)
  • Platz für Spannungswandler und ESP

🔧 Die STL-Dateien findest du in meinem [Downloadbereich].

Gedruckt wurde in PETG, 0.2 mm Layerhöhe, 30 % Infill. Wichtig: Wenn du IR-LEDs verbaust, denk an passende Öffnungen oder Lichtleiter!


Optional: Nachtsicht mit IR und Automationen

Die größte Herausforderung bei der DIY-Kamera war für mich die Nachtsicht.

Meine erste Lösung: Ein IR-LED-Modul und ein einfacher Streuscheibe.
Bessere Lösung: Gesteuertes Flutlicht (warm/kaltweiß) via ESP + Automation.

Beispielautomation in Home Assistant:

Fazit: DIY-Kamera = Freiheit mit Aufwand

Die eigene Kamera mit dem Raspberry Pi zu bauen hat mir riesig Spaß gemacht – aber auch einige Nerven gekostet. Es ist definitiv kein Plug-and-Play-Projekt, sondern eher ein „Ich-bau-mir-mein-eigenes-Überwachungssystem“-Projekt.

Vorteile:

  • 100 % lokal
  • Open Source
  • Erweiterbar, lernintensiv
  • Kein App-Zwang

Nachteile:

  • Aufwand & Debugging
  • Nachtsicht schwer umzusetzen
  • Teils instabil (Netzwerk, CPU)

Ich werde die Kamera weiter verbessern – z. B. mit besserem Licht und optimierter Kühlung. Wenn du Lust auf Technik hast und was Eigenes willst: Go for it!
Wenn du’s einfacher magst, ist eine Reolink eine gute Alternative.


Noch Fragen oder Lust auf mehr?

Dann schau gern auf meinem YouTube-Kanal vorbei oder abonniere den Newsletter. In der nächsten Ausgabe zeige ich, wie du mit Frygate und Coral Stick deine Bilderkennung auf das nächste Level hebst – komplett lokal.

Du hast dieses Projekt erfolgreich umgesetzt? Mega – dann bist du schon weiter als 90 % der Leute, die sich „Smart Home“ auf die Fahne schreiben 😉

Wenn du jetzt merkst:
Ich will das nicht nur nachbauen, ich will’s wirklich checken und eigene Projekte umsetzten
dann lade ich dich in meinen
ESPHome Meisterkurs – Meisterwerkstatt für lokale Hardware ein.

Dort bekommst du:

  • eine klare Roadmap von den Grundlagen bis zu eigenen Projekten
  • fertige YAML-Vorlagen, die wir im Kurs Stück für Stück auseinandernehmen
  • Praxisbeispiele aus der Community: Präsenzmelder, Garten, Lüftung, PV & Co.

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Alkly Dumme Dinge Smart machen

Alex Kly (Alkly)

Ich glaube an ein Smart Home, das dir gehört – nicht der Cloud. Ich zeige dir, wie du Technik nutzt, um Energie zu sparen, Solar optimal einzubinden und dein Zuhause nachhaltig zu steuern.
Ein Zuhause, das mitdenkt, dich entlastet – und dich jeden Tag ein Stück freier macht.

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3 Kommentare

  1. Hi,
    Ich bin sehr begeistert von deiner Schritt für Schritt Anleitung.
    Kann man das ganze noch mit einer App fürs Handy verbinden indem es die Möglichkeit:
    – Liveaufnahme mit lokaler Möglichkeit zur Speicherung des soeben erfassten Objekts bzw Sequenz
    – Speicherung der Sequenzen vor zb 15min

    gibt?

    Liebe Grüße

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