Shelly Pro 3EM: Warum Bezug und Einspeisung zu hoch sind – und wie du das in Home Assistant löst
Wenn dein Balkonkraftwerk oder Akku auf einer Phase einspeist und auf den anderen Phasen gleichzeitig Strom bezogen wird, zählt der Shelly Pro 3EM beides: Bezug und Einspeisung. Dein Stromzähler verrechnet das dagegen miteinander und zählt nur die Differenz.
Genau das kann dazu führen, dass im Energie-Dashboard von Home Assistant deutlich zu viel Netzbezug und Einspeisung stehen.
Ich habe das 30 Tage lang mit den Werten meines Tibber Pulse verglichen. Der liest direkt den Stromzähler aus. Der Unterschied ist ziemlich deutlich – lässt sich aber mit ein paar Helfern in Home Assistant beheben.
Erst mal die Zahlen
Der Vergleich lief vom 15.08. bis 13.09.2026, also über 30 lückenlose Tage. Grundlage sind die Tageswerte aus der Home-Assistant-Langzeitstatistik.
| Quelle | Netzbezug | Einspeisung |
|---|---|---|
| Tibber Pulse – Zählerregister 1.8.0 / 2.8.0 als Referenz | 647,23 kWh | 24,69 kWh |
| Shelly Pro 3EM – eingebaute Energiezähler | 787,32 kWh (+21,6 %) | 166,61 kWh (6,7-fach) |
| Shelly Pro 3EM – in Home Assistant saldiert | 646,12 kWh (−0,17 %) | 25,39 kWh (+0,70 kWh) |
Die normalen Shelly-Zähler haben in diesen 30 Tagen also rund 140 kWh zu viel Bezug und 142 kWh zu viel Einspeisung gezählt.
Mit den saldierten Werten sieht das ganz anders aus: Beim Netzbezug lag die tägliche Abweichung zum Stromzähler an keinem der 30 Tage über 0,23 kWh.
Besonders deutlich war es am 08.09.: Der Shelly meldete 10,43 kWh Bezug und 8,61 kWh Einspeisung. Am Stromzähler waren es dagegen nur 2,50 kWh Bezug und 0,60 kWh Einspeisung. Also ungefähr das Vierfache beim Bezug und das Vierzehnfache bei der Einspeisung.
Was der Stromzähler anders macht
Hier eine Momentaufnahme vom 14.09.2026. Der Akku speist gerade auf L3 ein:
| Phase | Leistung |
|---|---|
| L1 | +216 W Bezug |
| L2 | +373 W Bezug |
| L3 | −587 W Einspeisung |
| Summe | +2 W Bezug |
Der Stromzähler addiert zuerst die Leistung aller drei Phasen. In diesem Fall bleiben 2 W Bezug übrig. Einspeisung zählt er in diesem Moment nicht. Das ist mit phasensaldierend gemeint.
Der Shelly Pro 3EM macht es bei seinen Energiezählern anders: Er zählt Bezug und Einspeisung für jede Phase getrennt und addiert diese Zähler anschließend. Damit stehen gleichzeitig 589 W Bezug auf L1 und L2 und 587 W Einspeisungauf L3 in der Bilanz.
Bleibt das eine Stunde lang so, zählt der Stromzähler 0,002 kWh Bezug. Beim Shelly kommen dagegen jeweils rund 0,59 kWh Bezug und Einspeisung zusammen.
Besonders auffällig wird das nachts, wenn der Akku auf Nulleinspeisung regelt und die Gesamtleistung des Hauses stundenlang um 0 W pendelt. So sah das bei mir am 13.09.2026 zwischen 0 und 6 Uhr aus:
| Quelle, jeweils 0–6 Uhr | Netzbezug | Einspeisung |
|---|---|---|
| Shelly-Zähler | 1,44 kWh | 1,39 kWh |
| Tibber Pulse / Stromzähler | 0,15 kWh | 0,07 kWh |
| Shelly saldiert | 0,13 kWh | 0,08 kWh |
Der Shelly misst richtig – das Problem ist die Zählweise
Zum Gegencheck habe ich bei allen drei Varianten die Einspeisung vom Bezug abgezogen:
| Quelle | Bezug minus Einspeisung, über 30 Tage |
|---|---|
| Shelly-Zähler | 787,32 − 166,61 = 620,71 kWh |
| Tibber Pulse | 647,23 − 24,69 = 622,54 kWh |
| Shelly saldiert | 646,12 − 25,39 = 620,73 kWh |
Bei der Netto-Energie liegen die Werte auf rund 0,3 % beieinander. Die eigentliche Messung des Shelly passt also.
Die rund 140 kWh zusätzlicher Bezug und 142 kWh zusätzliche Einspeisung entstehen dadurch, dass der Shelly die Energie auf beiden Seiten zählt. Der Stromzähler verrechnet sie vorher miteinander.
Wichtig: Deine tatsächliche Stromrechnung wird dadurch nicht höher. Betroffen sind die Werte in Home Assistant: Netzbezug, Einspeisung, Autarkie, Eigenverbrauch und die daraus berechneten Kosten im Energie-Dashboard.
Bei einem Strompreis von rund 40 ct/kWh wären das in meinem Vergleich etwa 56 € zu viel angezeigte Stromkosten in 30 Tagen. Nicht auf der Rechnung, sondern nur im Dashboard.
Mein zweiter Shelly am selben Hausanschluss, ein Shelly 3EM-63 Gen3, zeigt übrigens das gleiche Muster. Im September hat er bisher 80 kWh Einspeisung gemeldet. Am Stromzähler waren es 10 kWh.
Warum ich den Tibber Pulse als Referenz nehme
Der Tibber Pulse sitzt auf der optischen Infrarot-Schnittstelle des Stromzählers und liest dessen SML-Telegramme aus. Hier erkläre ich das genauer, damals noch selbst gebaut. Der geht immer noch, der Tiber Pulse ist aber einfacher für meinen dynamischen Stromvertrag.
Die Werte 1.8.0 für Bezug und 2.8.0 für Einspeisung kommen direkt aus den OBIS-Registern des Stromzählers. Das sind also die Zählerstände, nach denen auch abgerechnet wird.
Bei mir läuft das lokal über die Pulse Bridge und die Integration „Tibber Pulse Local“, ohne Cloud.
Es muss dafür aber kein Tibber Pulse sein. Ein anderer IR-Lesekopf, beispielsweise mit ESPHome oder Tasmota, kann dieselben Register auslesen und genauso als Vergleich dienen.
Die Lösung: In Home Assistant selbst saldieren
Der Shelly liefert nicht nur die einzelnen Phasenwerte, sondern auch die Gesamtleistung. Das ist die Summe aller drei Phasen inklusive Vorzeichen – also bereits saldiert.
Die passende Entität heißt beispielsweise:
sensor.shellypro3em_…_leistung
Genau diesen Wert brauchen wir. Positive Leistung ist Netzbezug, negative Leistung ist Einspeisung. Daraus machen wir zwei Leistungssensoren und rechnen deren Werte anschließend in kWh um.
Schritt 1: Zwei Template-Sensoren anlegen
Gehe zu:
Einstellungen → Geräte & Dienste → Helfer → Helfer erstellen → Template → Template-Sensor

Der erste Sensor heißt Netzbezug saldiert. Als Einheit stellst du W ein, als Geräteklasse Leistung und als Zustandsklasse Messwert.
Das Zustandstemplate:
{{ [states('sensor.shellypro3em_DEINE_ID_leistung') | float(0), 0] | max | round(1) }}
Den zweiten Sensor nennst du Netzeinspeisung saldiert. Einheit, Geräteklasse und Zustandsklasse bleiben gleich.

Hier kommt dieses Template rein:
{{ [states('sensor.shellypro3em_DEINE_ID_leistung') | float(0) * -1, 0] | max | round(1) }}
Ersetze die Beispiel-Entität durch die tatsächliche Entität deines Shelly.
Nimm dafür unbedingt die Gesamtleistung, nicht eine einzelne Phase. Der erste Sensor übernimmt nur die positiven Werte. Der zweite macht aus der negativen Leistung einen positiven Einspeisewert.
Schritt 2: Aus Watt werden kWh
Jetzt legst du unter Helfer erstellen → Integral-Sensor (Riemann-Summe) zwei weitere Helfer an: einen für den Bezug und einen für die Einspeisung.

| Feld | Einstellung |
|---|---|
| Name | Netzbezug kWh saldiert / Netzeinspeisung kWh saldiert |
| Eingangssensor | sensor.netzbezug_saldiert / sensor.netzeinspeisung_saldiert |
| Integrationsmethode | Linke Riemann-Summe |
| Präzision | 3 |
| Metrisches Präfix | k (kilo) |
| Zeiteinheit | Stunden |
| Maximales Unterintervall | 2 Minuten |
Warum die linke Riemann-Summe?
Der Shelly schickt einen neuen Leistungswert, wenn sich etwas ändert. Bis dahin wird mit dem bisherigen Wert weitergerechnet. Genau dazu passt die linke Riemann-Summe.
Die Trapez-Methode würde zwischen zwei Werten einen Übergang berechnen. Bei einem plötzlichen Sprung – etwa wenn der Wasserkocher angeht oder der Akku seine Leistung ändert – kann dadurch zu viel oder zu wenig Energie gezählt werden.
Und warum die 2 Minuten?
Ohne maximales Unterintervall wird das Integral erst wieder aktualisiert, wenn sich die Leistung ändert. Bleibt sie länger gleich, zieht der Energiezähler später mit einem größeren Sprung nach.
Mit den 2 Minuten wird auch bei gleichbleibender Leistung regelmäßig weitergezählt.
Schritt 3: Das Energie-Dashboard umstellen
Unter Einstellungen → Dashboards → Energie → Stromnetz ersetzt du die bisherigen Shelly-Energiezähler durch die neuen Helfer:
Netzbezug: Netzbezug kWh saldiert
Einspeisung: Netzeinspeisung kWh saldiert
Die bisherigen Statistiken werden dadurch nicht nachträglich korrigiert. Die neuen, saldierten Werte bekommst du ab der Umstellung.
Ein paar Stolperfallen aus der Praxis
Alte Helfer rechnen sonst weiter mit den falschen Werten
Nur das Energie-Dashboard umzustellen reicht nicht unbedingt. Tageszähler, Kostensensoren, andere Dashboards oder Automationen können weiterhin an den alten Shelly-Zählern hängen.
Such deshalb nach den Entitäten mit …_energie und …_energieeinspeisung und prüfe, wo sie noch verwendet werden.
Ich hatte selbst noch einen vergessenen Tageszähler drin. Der zeigte 5,56 kWh auf Basis des Shelly-Zählers an. Laut Stromzähler waren es 4,96 kWh.
Nicht zwischen verschiedenen kWh-Zählerständen umschalten
Ein Fallback nach dem Muster „Nimm den Lesekopf, und wenn der ausfällt, den saldierten Shelly“ klingt erst mal praktisch. Bei absoluten Zählerständen funktioniert das aber nicht einfach so.
Die beiden Sensoren haben unterschiedliche Zählerstände. Beim Umschalten entsteht deshalb ein Sprung, den das Energie-Dashboard als Verbrauch verbuchen kann – im ungünstigen Fall alles innerhalb einer Stunde.
Ein Fallback sollte deshalb auf den Leistungswerten aufbauen, nicht auf den absoluten kWh-Ständen.
Home Assistant muss dafür laufen
Die Integral-Helfer zählen nur, solange Home Assistant läuft.
Nach einem Ausfall am 12. und 13.08. fehlten bei mir im saldierten Integral rund 44 kWh Bezug. Der Stromzähler und die eingebauten Shelly-Zähler hatten währenddessen natürlich weitergezählt.
Eine Möglichkeit, das zu umgehen, ist die Saldierung direkt auf dem Shelly. Das geht beispielsweise mit dem Skript shelly-pro-3em-net-metering. Es integriert die Leistung alle 500 ms in virtuelle Zähler auf dem Gerät.
Ein Lesekopf direkt am Stromzähler bleibt aber die genaueste Quelle.
Die Nulleinspeisung ist davon nicht betroffen
Speicher, die über den Shelly auf Nulleinspeisung regeln, verwenden dafür die Gesamtleistung. Dieser Wert ist korrekt.
Das Problem betrifft die Energiezähler, nicht die Leistung, nach der der Speicher regelt.
Ist das bei deinem Aufbau überhaupt relevant?
Relevant wird es, wenn dein Shelly 3EM am Hausanschluss misst und gleichzeitig auf einer Phase eingespeist und auf einer anderen Strom bezogen wird.
Typische Fälle sind einphasige Balkonkraftwerke, Steckerspeicher, Akkus mit Nulleinspeisung und einphasige Wechselrichter. Es kann aber auch bei dreiphasigen Anlagen mit stark ungleich verteilten Lasten auftreten.
Je mehr Zeit dein Haus mit Nulleinspeisung um 0 W verbringt, desto deutlicher fällt die unterschiedliche Zählweise auf.
Ein einfacher Gegencheck: Vergleiche über ein paar Tage jeweils Bezug minus Einspeisung vom Shelly und vom Stromzähler. Passt diese Differenz ungefähr, während beim Shelly sowohl Bezug als auch Einspeisung deutlich höher sind, hast du genau dieses Problem.
Mein Fazit
Der Shelly Pro 3EM misst die Leistung korrekt. Seine eingebauten Energiezähler saldieren aber nicht über die drei Phasen so, wie es der Stromzähler macht. Dadurch können Netzbezug und Einspeisung in Home Assistant deutlich zu hoch ausfallen.
Mit zwei Template-Sensoren und zwei Integral-Helfern lässt sich das beheben. In meinem 30-Tage-Vergleich lag der saldierte Netzbezug damit nur rund 0,2 % vom echten Stromzähler entfernt.
Hast du bereits einen IR-Lesekopf am Stromzähler, würde ich dessen Zählerstände für das Energie-Dashboard nehmen. Den Shelly kannst du dann weiterhin als schnelle Quelle für die Gesamtleistung und die Regelung deines Speichers nutzen.

Alex Kly (Alkly)
Ich glaube an ein Smart Home, das dir gehört – nicht der Cloud. Ich zeige dir, wie du Technik nutzt, um Energie zu sparen, Solar optimal einzubinden und dein Zuhause nachhaltig zu steuern.
Ein Zuhause, das mitdenkt, dich entlastet – und dich jeden Tag ein Stück freier macht.
